Zum Inhalt springen Zum Navigationsmenü springen
27. April 2020  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

So funktionieren Raumluftreiniger

von  Ulrich Wolf | 5 Min. Lesezeit | #Raumluft  #Raumluftreiniger  #Raumluftqualität  #Feuchtigkeit  #Umgebungsluft 

Wenn die Raumluft mit Schadstoffen belastet ist, muss nicht in jedem Falle grundsaniert werden. Bei den weniger schweren Fällen reicht auch eine Renovierung mit einem raumluftreinigenden Baustoff. Beim Schadstoffabbau handelt es sich nicht um Hexerei, sondern um nachgewiesenen physikalische oder chemische Prozesse.

Wenn von Raumluftqualität die Rede ist, spielt die Belastung durch VOC wie Formaldehyd nach wie vor die entscheidende Rolle. Seit dem 1. Januar 2016 ist Formaldehyd in die Gefahrenklassen Karzinogen/Kategorie 1B und Keimzellmutagen/Kategorie 2 eingestuft und gilt damit offiziell als krebserregend. Vor allem die Holzwerkstoffplatten tragen die flüchtige organische Verbindung in die Innenräume, da sie zumindest zu einem Teil noch nach wie vor mit formaldehydhaltigen Leimen produziert werden.

Zwar dürfen keine Holzwerkstoffplatten in den Verkehr gebracht werden, die den Grenzwert von 0,1 ppm (Emissionsklasse E1) überschreiten. Allerdings gilt das für jedes Bauteil respektive Einrichtungsgegenstand einzeln, die Addition aller Emissionsquellen lässt die Konzentration in der Raumluft also schnell über den Grenzwert ansteigen. Zudem gehen Umweltverbände davon aus, dass schon Konzentrationen unterhalb dieser Grenzen bei empfindlichen Menschen zu gesundheitlichen Problemen führen können.

Es wundert daher nicht, dass alle Werk- und Baustoffe mit raumluftreinigender Wirkung vor allem das Formaldehyd als Hauptgegner definieren. Sinn und Zweck des Einsatzes dieser Baustoffe ist es, die Konzentration eines definierten Schadstoffs im Raum spürbar zu senken, ohne die emittierenden Bauteile aufwändig auszubauen oder gleich komplett zu sanieren. Für die Neutralisation des Formaldehyds setzen die Systeme auf unterschiedliche chemische oder physikalische Prozesse, die durch Beimischung bestimmter Stoffe zum Werkstoff in Gang gesetzt werden.

Diese Stoffe bieten eine Reinigungswirkung für die Raumluft

Titandioxid:

Der auch als Weißpigment geschätzte Zusatzstoff findet vor allem in Wandfarben Anwendung. Sein Funktionsprinzip ist die Photokatalyse, bei der vereinfacht gesagt organische Verbindungen unter UV-Einstrahlung zu Kohlendioxid und Wasser umgewandelt werden. Dieser Prozess läuft praktisch ununterbrochen weiter, es gibt also keinen Abnutzungseffekt.

Den Wandfarben wird das Titandioxid in einer besonders ausgeklügelten Rezeptur beigemischt, damit es nicht auch die farbeigenen Bindemittel zersetzt. Ferner wird so sichergestellt, dass der Zusatz nicht nur unter UV-Licht, sondern auch unter Einwirkung von sichtbarem Licht aus der Innenraumbeleuchtung funktioniert.

Keratin:

Das Keratin ist ein Faserprotein, das vor allem in menschlichen und tierischen Hornsubstanzen wie beispielsweise Haaren, Finger- und Fußnägel sowie Krallen und Hufen vorkommt. Als Aminosäure ist Keratin ein bevorzugter Reaktionspartner für das Formaldehyd, beide verbinden sich leicht zu sehr stabilen und unschädlichen Substanzen, die dauerhaft im Trägermaterial des Keratins verbleiben. Prominentestes Beispiel für ein keratinhaltiges Material ist die Schafwolle.

Die ist schon per se schadstoffabbauend, diese positive Eigenschaft kann durch eine industrielle Nachbehandlung der Wolle aber noch weiter optimiert werden. Vor allem das Waschverfahren und die pH-Wert-Einstellung während des Waschens sorgen für eine vergrößerte, freie und damit aktive Faseroberfläche. Neben dem Formaldehyd reduziert die Schafwolle auch zahlreiche weitere Gifte wie etwa Nitrosamine, Phenole, Terpene, Stickoxide und einige mehr. Schafwolle-Vliese finden vor allem Anwendung in der großflächigen Sanierung von formaldehydbelasteten Bauteilen, die direkt mit der Wolle belegt werden. Diese sogenannte Kontaktwirkung ist bei einigen Herstellern zwingend vorgesehen.

ein Bürogebäude von innen mit vielen Holzelementen und moderner Einrichtung

Aber auch Fermacell bietet mit den Greenline-Platten für Wände und auch Trockenestriche ebenfalls ein raumluftreinigendes Produkt an, das mit Keratin versetzt ist. Die Platten funktionieren auch unter Oberbelägen, idealerweise sind die diffusionsoffen. Die über die Zeit durch die Reaktion mit Keratin chemisch in den Platten gebundenen Schadstoffe führen übrigens nicht dazu, dass die Platten später teuer entsorgt werden müssen.

Zeolith:

Zeolith ist ein mineralisches Gestein vulkanischen Ursprungs. Die Poren des technisch modifizierten Zeoliths Y weisen winzig kleine Durchmesser von weniger als einem millionstel Millimeter auf, innerhalb des Baustoffs entstehen so sehr große innere Oberflächen. Die Schadstoffe werden aber in diesen Hohlräumen nicht nur gespeichert, denn der Zeolith ist ähnlich dem Titandioxid ein Katalysator, der die Wohnraumgifte chemisch in unbedenkliches Kohlendioxid und Wasser umwandelt.

Anders als das Titandioxid benötigt er dazu aber weder UV- noch sonstiges Licht. Dementsprechend findet dieser Prozess ununterbrochen statt, eine Sättigung wird nicht erreicht. Eingesetzt wird Zeolith als Zusatzstoff in verschiedenen Werk- und Baustoffen bereits während der Produktion, so zum Beispiel in Deckenplatten (Cleaneo von Knauf) als auch in Putzen (Rotkalk). Bei der Fertigung von Spanplatten für den Innenausbau reicht schon eine Zugabe von nur fünf Gewichtsprozent aus, um die Formaldehydemissionen der Platte um 40 Prozent zu senken.

Wichtig für die Wirksamkeit ist die Flächengröße, die mit den Zeolith-Werkstoffen, also den Spanplatten belegt ist. Knauf beispielsweise empfiehlt für seine Cleaneo-Platten eine Belegungsrate von 0,2 Quadratmetern Platten pro Kubikmeter Rauminhalt. Eine Auswirkung auf die technische Verarbeitbarkeit der Platten oder Putze hat die Zugabe von Zeolith übrigens nicht.

Lehm & Kalk

Ebenso wie die Schafwolle weisen auch die Naturbaustoffe Lehm und Kalk von sich aus eine reinigende Wirkung auf die Umgebungsluft auf. Die Wirkung beruht auf einer Kombination aus höchster Diffusionsoffenheit, einer großen inneren Oberfläche und einer hohen Porosität.

Die größte Wirkung geht von der sehr großen und einfachen Feuchtewanderung aus der Raumluft ins Innere des Bauteils aus (Farbe, Putz oder Platte), bei der schon eine ganze Menge an Schadstoffmolekülen mittransportiert werden. Im Lehm nehmen sich dann die die Kristallgitter der darin enthaltenen Tonminerale der Schadstoffe an, hier werden sie dauerhaft gebunden. Die reinigende Wirkung eines Kalkputzes oder einer Kalkfarbe wird bei der Rotkalk-Variante zusätzlich durch die schon erwähnte Beimischung von Zeolithen verstärkt.

Portrait Ulrich Wolf

Ulrich Wolf

Ulrich Wolf gehört zum Management Programm der Fachzeitschrift bmH bauen mit Holz im Kölner Bruderverlag. Seit 25 Jahren arbeitet der ausgebildete Zimmerer als Redakteur für verschiedene Fachzeitschriften aus dem Bau-, Ausbau- und Do-it-yourself-Bereich. Knapp zehn Jahre lang betrieb er eine Agentur, die Foto- und Videoproduktionen sowie Fachtexte für Redaktionen und Unternehmen aus diesen Fachbereichen realisierte.

Artikel teilen

Das könnte Sie auch interessieren

1. Juni 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Im Bereich des Klimaschutzes spielt die Speicherung von Kohlenstoff zunehmend eine Rolle. Eine praktische Option ist die Speicherung in Beton. Eine Forschungsinitiative möchte mit einer neuen Methode den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre reduzieren und das Kohlendioxid...

13. Mai 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Hanfkalk besteht aus Grundstoffen, die schon seit Ewigkeiten als Baumaterialien zum Einsatz kommen. Gleichzeitig ist der Bioverbundwerkstoffe ein moderner Baustoff, der seine Ursprünge in den 1980er-Jahren in Frankreich hat. Heutzutage ergeben sich neue Einsatzmöglichkeiten für Hanfkalk, und das Baumaterial zeigt sich erstaunlich vielseitig.

5. Mai 2026
von textbroker | 6 Min. Lesezeit

Bereits seit vielen Jahren kämpft die Baubranche mit steigenden Kosten. Dies hat zu einer Diskrepanz zwischen den benötigten und den fertiggestellten Wohnungen geführt. Darunter leidet besonders der Sozialbau, weil das Ziel der Bundesregierung, jährlich 400.000 neue...

Leider konnten keine Produkte gefunden werden
Das gewünschte Variantenprodukt befindet sich bereits in der Liste. Die zuvor gewählte Variante wurde aus der Liste entfernt.
Geben Sie hier Ihren Suchbegriff bzw. die Artikelnummer ein und wählen Sie die richtige Position aus der Vorschlagsliste aus. Nun können Sie die gewünschte Anzahl zum Warenkorb hinzufügen.
Tragen Sie hier bitte Ihre Bestellung ein