In jüngerer Vergangenheit kommen immer wieder neue und weiterentwickelte Baumaterialien auf den Markt. Hanfkalk verbindet dabei traditionelle Rohstoffe mit modernen Einsatzmöglichkeiten. Was an Hanfkalk interessant ist und in welchen Bereichen sich der Baustoff einsetzen lässt, betrachtet dieser Beitrag.
Was ist Hanfkalk?
Hanf und Kalk sind Rohstoffe, die seit Jahrhunderten im Baubereich zum Einsatz kommen – beispielsweise bei Fachwerkbauten. Erstmals wurden die beiden Baustoffe in den 1980er-Jahren kombiniert. Für die originalgetreue Restauration von Fachwerkhäusern wurde ein Baustoff mit spezifischen optischen und physikalischen Eigenschaften benötigt. Dabei erwies sich Hanfkalk als optimale Lösung.
Hanfkalk ist im Kern eine einfache Mischung aus Hanffasern und Kalk. Der Kalk als mineralischer Bestandteil dient als Bindemittel. Hanf wird aus den Stängeln gewonnen, die verholzt sind und besonders lange Fasern besitzen. Dieser Teil der Pflanze ist auch als Hanfschäben bekannt. Hanfkalk gehört zur Klasse der Agrarbetone. Eine genormte Zusammensetzung für Hanfkalk existiert bisher nicht, sodass die Komposition variiert.
Diese Eigenschaften bringt Hanfkalk mit

Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit nimmt er Feuchtigkeit auf und gibt sie bei trockenem Raumklima wieder ab. Gleichzeitig weist das Material einen hohen Dämmwert auf, was den Einsatz als Dämmstoff erlaubt. Die Wärmeleitfähigkeit liegt – abhängig von der Verarbeitung – zwischen 0,06 und 0,12 W/mK. Dabei besitzt Hanfkalk ganz besondere thermische Eigenschaften. So speichert das Material einerseits Wärme und reflektiert sie andererseits auch. Dies sind gute Voraussetzungen, um im Sommer einen effektiven Wärmeschutz für Gebäude zu erzielen.
Hanfkalk bringt auch schalldämpfende Eigenschaften mit. Was ihn weiterhin interessant macht, ist sein geringes Gewicht. Die Rohdichte bewegt sich in einem Bereich von 200 bis 500 kg/m³. Damit ist er nicht nur deutlich leichter als mineralische Baustoffe wie Beton, sondern hat auch eine geringere Dichte als Bauholz. Hanfkalk ist zudem nicht brennbar, was eine interessante und wichtige Eigenschaft im Hausbau ist. So lassen sich mit Hanfkalk Brandschutzauflagen sehr einfach erfüllen.
Hanfkalk besteht im Wesentlichen aus Hanfschäben und einem mineralischen Bindemittel auf Kalkbasis. Hanf wächst innerhalb einer Vegetationsperiode und kann anschließend für unterschiedliche Anwendungen im Baubereich verarbeitet werden. Die genaue Zusammensetzung des Hanfkalks kann je nach Produkt und vorgesehenem Einsatzbereich variieren.

In diesen Formen kommt Hanfkalk im Bau zum Einsatz
Aufgrund der vielseitigen Eigenschaften gibt es für Hanfkalk ein breites Einsatzspektrum im Bausektor. Eine klassische Verwendung ist der Einsatz als Dämmmaterial in Form von ungebundenen Hanfschäben. In dieser Variante lässt sich Hanfkalk auf der Baustelle anmischen und in erster Linie mithilfe einer Schalung verarbeiten. Dafür ist neben Hanfschäben und Kalkhydrat nur Wasser erforderlich.

Vergleichsweise neu ist der Einsatz von Hanfkalk für den Mauerbau. Dabei vereinen sich die verschiedenen positiven Eigenschaften des Hanfkalks in einem Produkt. Mithilfe von Ziegelmaschinen wird das Material in Form gepresst. Die Produktion ist vergleichsweise energiesparend, denn Hanfkalksteine müssen nicht gebrannt werden. Vielmehr trocknen die Steine einige Wochen an der Luft und sind dann bereit für den Einbau. In dieser Form kommen Hanfkalksteine ähnlich wie Leichtbetonsteine zum Einsatz, etwa beim Bau von nichttragenden Wänden. Grundsätzlich bieten sich Hanfkalksteine jedoch für alle Arten von Mauern an, die keine Lasten tragen müssen.
Bei der Sanierung von Fachwerkbauten werden diese Steine ebenfalls verwendet. Sie passen zum einen optimal zur Optik dieser Bauten und bringen zum anderen die notwendigen physikalischen Eigenschaften mit, um in Kombination mit Holzträgern eine Wand zu bilden. Zudem übernehmen in Fachwerkbauten Holzträger die tragende Funktion, sodass die Hanfkalksteine keinerlei Lasten tragen müssen.
Selbst vorgefertigte Wandelemente gibt es inzwischen mit Hanfkalk. Bei der Ständerbauweise ist der Einsatz als Mauer oder Dämmung möglich. So wird Hanfkalk mittlerweile beim Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern genutzt.
Innovation sorgt für neue Einsatzmöglichkeiten
Innovationen spielen im Bereich der Baumaterialien eine immer wichtigere Rolle. Dabei wird auch daran geforscht, bestehende Materialien technisch weiterzuentwickeln und zusätzliche Einsatzmöglichkeiten zu schaffen.

Mit den neuartigen Hanfkalksteinen entstehen hingegen tragende Wände im Hausbau ohne zusätzliche Stützen. Das beschleunigt und vergünstigt den Bau mit Hanfkalksteinen und eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Durch die wärmedämmenden Eigenschaften des Hanfkalks lassen sich energieeffiziente Häuser nach aktuellem Standard bereits mit einer Wandstärke von 30 Zentimetern aufbauen.